Manchmal braucht es ein paar Umwege, Wendepunkte, komplette Neuanfänge – und eine Göttin, die geduldig wartet, bis wir endlich bereit sind, ihrem Ruf zu folgen.
Mein spiritueller Weg war lange Zeit von der Suche geprägt. Ich suchte nach Sinn, nach Tiefe und vor allem nach einem Fundament, auf dem meine spirituelle Praxis wirklich wachsen konnte. Im Laufe der Jahre habe ich viele verschiedene Traditionen kennengelernt, manche intensiv, andere nur am Rande. Ich meditierte, betete, verbrannte genug Räucherwerk, um den Rauchmelder herauszufordern, rief nach den Göttern und zweifelte mindestens genauso oft, wie ich Aha-Erlebnisse hatte.
Inspiration fand ich überall. Doch die ständige Suche war irgendwann ebenso enttäuschend wie bereichernd. Immer wieder stellte sich dieselbe Frage: Was ist denn nun MEIN Weg?
Dann griff das Leben ein. Oder anders gesagt, es war vielleicht das Leben, das den Ruf schließlich unüberhörbar machte. Nach einer tiefgreifenden gesundheitlichen Krise, dem Verlust meiner Eltern und dem Zusammenbruch meines bisherigen Lebens in vielerlei Hinsicht, trat Hekate endgültig in mein Bewusstsein. Oder besser gesagt: Ich war endlich bereit, mich ihr wirklich zu öffnen.
Wenn ich ehrlich bin, war sie vermutlich schon immer da. Ich hatte ihre Präsenz immer wieder am Rande wahrgenommen, in Zeiten des Wandels und in jenen „dark nights of the soul“, in denen ich trotz allem wusste, dass ich nicht allein war. Doch erst als alles andere zerbrochen war, konnte ich ihren Ruf wirklich annehmen.
Seit ihre Fackeln meinen Weg erhellen, haben sich unzählige Puzzleteile meines spirituellen Lebens zusammengefügt. Vieles wurde klarer. Trotzdem fehlte noch etwas: eine Struktur, ein tragfähiges Fundament, auf dem ich wachsen konnte. Dabei stand genau dieses Fundament längst in meinem Regal.

Bereits 2013 trat ich dem Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD) bei. Doch danach folgten Jahre des Zweifelns. Ich begann den Bardenkurs, brach ihn wieder ab, kehrte zurück, verlor erneut den Faden, schlug andere spirituelle Richtungen ein oder ließ mich einfach treiben. Mehrmals startete ich von vorne, doch den Barden-Grad schloss ich nie wirklich ab.
Interessanterweise war es schließlich An Mórrígan, zu der ich ebenfalls eine tiefe Verbindung habe, die mich mit Nachdruck dazu brachte, mich erneut intensiver mit dem Druidentum auseinanderzusetzen. Vielleicht war es die stille Führung Hekates, kombiniert mit der unüberhörbaren Entschlossenheit der Mórrígan. Wie auch immer dieser göttliche Cocktail zustande kam, plötzlich zog es mich wieder zu den alten Studien, diesmal jedoch mit völlig neuen Augen. Und wie so oft bei Hekate, wenn die Zeit reif ist, öffnete sich beinahe wie von selbst eine Tür.
Beim Stöbern in der OBOD-Community stieß ich auf eine Gruppe namens Hekatean Druidry. Geleitet wurde sie von zwei Mitgliedern des Covenant of Hekate, von denen ich eines bereits aus dem Torchbearer Bootcamp kannte. Wenn das kein Wink der Schicksalsgöttinnen war, weiß ich auch nicht.
Also begann ich den Bardenkurs noch einmal und diesmal mit offenem Herzen und dem tiefen Gefühl, endlich wirklich bereit zu sein. Und tatsächlich fügte sich plötzlich alles zusammen. Mir wurde klar, wie wunderbar sich mein Weg mit Hekate mit dem Druidentum verweben ließ. Meine Hekatean Practice ergänzt meine druidische Praxis nicht einfach nur, sie bildet in mancherlei Hinsicht ihr Herzstück. Durch sie fand ich zum Druidentum zurück und damit endlich die spirituelle Struktur und Verwurzelung, nach der ich so lange gesucht hatte.
Heute blicke ich mit großer Dankbarkeit auf diesen Weg zurück. Den Barden-Grad habe ich inzwischen erfolgreich abgeschlossen, und seit eineinhalb Jahren gehe ich den Ovatenpfad. Diese Reise bereichert meine Praxis auf eine Weise, die ich kaum in Worte fassen kann. Nach und nach setzen sich immer mehr Puzzleteile zusammen, und das große Ganze wird mit jedem Schritt klarer.
Immer wieder bestätigt sich für mich, wie harmonisch sich die Arbeit mit Hekate, Isis, An Mórrígan und den anderen Gottheiten und Spirits, die mich begleiten, mit dem Druidentum verbinden lässt. Die verschiedenen Traditionen greifen ineinander, als hätten sie schon immer zusammengehört. Antike griechische Philosophie, Mythologie, Magie und spirituelle Praxis lassen sich erstaunlich natürlich mit modernem Druidentum verbinden.
Auch mein druidischer Weg entwickelt sich weiter. Vor Kurzem bin ich außerdem der ADF (Ár nDraíocht Féin: Eine Druidische Gemeinschaft) beigetreten. Während der OBOD stärker den philosophischen, magischen und spirituellen Zugang betont, legt der ADF seinen Schwerpunkt auf die religiöse Praxis. Ich hoffe sehr, dass dieser Weg mich insbesondere in meiner Arbeit als Priesterin bereichern wird. Darüber werde ich aber ganz sicher in einem zukünftigen Beitrag noch ausführlicher schreiben.
Hekate führt uns selten auf geraden Wegen. Sie zeigt uns Orte, von deren Existenz wir nichts ahnten, beleuchtet verborgene Räume, denen wir vielleicht sogar bewusst ausgewichen sind, und erinnert uns dabei stets daran, dass es immer einen Weg gibt und dass wir ihn nicht allein gehen müssen.
Wenn ich heute auf meinen bisherigen spirituellen Weg zurückblicke, erkenne ich noch etwas anderes: Mein ständiges Wechseln zwischen verschiedenen Traditionen war längst nicht so ziellos oder beliebig, wie ich früher glaubte. Und nein, ich habe meine spirituellen Wege definitiv nicht so oft gewechselt wie meine Unterwäsche. Heute ergibt plötzlich alles Sinn. Vor allem seit ich erkannt habe, dass ich im Herzen wohl immer ein wenig Chaotin war, oder genauer gesagt: eine chaos Witch. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.
Ich freue mich jedenfalls unglaublich darauf, diesen Weg und zu entdecken, wie sich all diese Traditionen gegenseitig ergänzen, herausfordern und bereichern.
Ich weiß nicht, wohin die nächste Wegbiegung führen wird. Aber solange Hekates Fackeln meinen Weg erhellen, gehe ich ihn mit offenen Augen, offenem Herzen und tiefem Vertrauen.
With torch in hand and roots deep,
Blessed Be.

2 Kommentare zu “Von Umwegen und Wegkreuzungen – mein Weg zurück zum Druidentum”
Das ist ein wunderbarer Artikel, Sandra-Maria. Ein Artikel, der bestimmt auch anderen Suchenden weiterhelfen wird! Und ein wenig erinnert mich das auch an meinen chaotischen Weg. Und so richtig mit Herz geschrieben – danke dafür!
Danke Heidrunar, das berührt mich sehr.